Traditionelle Socken, Wolle aus Portugal

Als ich im letzten Jahr durch Südeuropa reiste, habe ich in den ein oder anderen Wollladen geschaut, der selten, plötzlich und meist unverhofft am Wegesrand auftauchte. In Lissabon hingegen habe ich eine dreitägige Pause eingelegt und mich schon kurz zuvor im Netz nach Wollgeschäften umgeschaut. So stieß ich auf die Retrosaria von Rosa Pomar. Der Laden lag nicht weit von meinem Hostel entfernt und ist ein wenig versteckt. Wenn man erstmal die Hausnummer gefunden hat, muss man noch bis in den zweiten Stock. Vermutlich war dieser Laden einmal eine Wohnung. Im Gegensatz zu den Läden, in denen ich zuvor war, war es hier liebevoll und stilvoll eingerichtet und die Garne im Angebot bestanden nicht vornehmlich aus Kunststoff. In meinen Fahrradtaschen war nicht viel Platz, doch wollte ich unbedingt etwas mitnehmen. Schnell wurde mir klar, dass ich, wenn ich denn schon in Portugal war, auch echt portugiesische Wolle kaufen würde. Von echten portugiesischen Schafen. So gingen dann doch 300g MeMe 2ply und 500g MeMe 20 über den Ladentisch. Mit der MeMe 2ply habe ich noch am selben Abend im Hostel Socken angeschlagen. Mein vorheriges Projekt für unterwegs war glücklicherweise gerade fertig geworden.

Später gingen mir die Garne und das angeschlagene Projekt beinahe verloren. Ich hatte mich nämlich entschlossen, vor der Einreise nach Marokko schnell noch einen Teil meines Gepäcks nach hause zu schicken. Für teures Geld sandte ich also die Wolle gemeinsam mit diversen Andenken, meinen Tagebüchern und anderen Dingen, die ich für den Rest der Reise nicht brauchen würde, aus der spanischen Enklave Ceuta auf dem afrikanischen Kontinent zurück nach Berlin. Das Paket kam aber lange nicht an (ich war mittlerweil selbst zurück) und mit viel Mühe konnte ich der spanischen Post entlocken, dass DHL die Sendung innerhalb Deutschlands beförderte. Weitere Nachforschungen ergaben, dass das Paket mittlerweile seit zwei Monaten in einem Laden in der Nebenstraße auf Abholung wartete. Ich ging sofort dorthin und hatte Angst, man hätte es schon zurückgeschickt. Aber den Leuten im Laden ist es nicht aufgefallen, da man dort öfter Pakete annimmt und immer einen großen Stapel hat. Mein Paket lag naturgemäß mittlerweile ganz unten. Ich war dann verständlicherweise sehr froh. Am wichtigsten waren mir Andenken und Tagebücher, danach kam aber gleich die Wolle.

Ich konnte also weiterstricken an meinen portugiesischen Socken. Das Garn war beim verarbeiten schon recht kratzig und auch dicker als übliche Sockenwolle. Ich strickte Socken für mich selbst, und als ich diese dann das erste Mal wusch und leicht spannte, konnte ich nach dem Trocknen feststellen, dass das Garn wesentlich weicher geworden war. Nun hatte ich sechs verschiedene Farben der MeMe 2ply benutzt, aber für ein Paar Socken natürlich nicht das ganze Garn verbraucht. Ich schlug daher noch ein Paar für meine Freundin an, die schon ganz neidisch auf meine portugiesischen Socken war. Weil ich jetzt die Reste benutzen musste, musste ich mich farblich natürlich umorientieren. Die bunteren Töne, die zuvor mehr Beiwerk darstellten, dominierten nun diese Socken. Ich strickte beide relativ parallel, um den Verbrauch der jeweiligen Knäule im Auge zu haben. Das hat sehr gut funktioniert und manche Farben wurden komplett aufgebraucht.

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Die robuste Haptik des Garns, die recht natürlichen Töne, und das Ganze in Kombination mit den alten und an orientalische Teppiche erinnernden Mustern lassen die Socken in meinen Augen ausgesprochen traditionell aussehen. Und das gefällt mir sehr gut.

Hier noch ein paar Details:

 

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