Anatolian Dreams – Fortschritt 2016

Da haben wir nun den letzten Tag des Jahres, an dem so mancher gerne resümiert. Eine genaue Aufzeichnung meiner fertiggestellten Projekte aus 2016 habe ich nicht, jedoch lässt sich sagen, dass dieses Jahr bestimmt war von einer relativen Strickflaute meinerseits in der Jahresmitte und andererseits einem sehr produktiven Herbst und Winteranfang, was wiederum von einer neuentdeckten Begeisterung für meine Restedecke herrührte. 

Ich habe zwar das ganze Jahr über immer irgendetwas gestrickt, aber irgendwie konnte ich einige Zeit lang kein Projekt finden, das sich mehr nach Spaß als nach Arbeit anfühlte. Nun stricke ich ja nicht, um damit meine Brötchen zu verdienen, und daher trenne ich gnadenlos auf, wenn ein angeschlagenes Strickstück mir keine Freude bereitet. Das Leben ist einfach zu kurz für nervige Strickprojekte. Zuweilen gestatte ich mir sogar den Luxus, selbst das Auftrennen zu lassen, das aber nur selten. Andererseits war ich dann irgendwann genervt davon, tolle Ideen zu haben, aber nach wenigen Reihen, Runden, Stunden oder auch Abenden nicht weiterstricken zu wollen. Die Lust am Stricken schien mir vergangen, sodass ich schon fast darüber nachdachte, meine Wolle wegzgeben. Aber nur fast. Viel Zeit verbrachte ich diesen Sommer auf dem Fahrrad statt auf dem Sofa oder im Park, wo ich früher auch oft gestrickt hatte. Auf meiner Radreise von Berlin nach Kopenhagen hatte ich dann ein Knäuel selbstgesponnene Sockenwolle dabei, und ich strickte dann abends oder bei Pausen ganz einfache Socken. Kein Muster, einfach nur runterstricken, die Gedanken schweifen lassen wie auch den Blick, wenn man nicht stets auf das Strickzeug schauen muss.

Den Sommer über lag die am Jahresanfang angeschlagene Decke in meinem Schlaf- und Arbeitszimmer herum, nur gelegentlich von einer in eine andere Ecke gelegt. Eines der Sechsecke war halb fertig, als ich es im Herbst fertigstellen wollte, um die Nadeln für ein anderes Projekt freizubekommen. So kam es dann aber, dass ich noch ein Sechseck strickte und dann noch eines und noch eines, und auf einmal hing ich wieder an der Nadel wie die Junkies am Kotti. Mittlerweile habe ich 40 Sechsecke fertig. Und obwohl ich zum Ende eines Teiles hin immer denke, als nächstes mal etwas anderes stricken zu wollen, schlage ich gleich nach dem Zusammennähen das nächste Teil an. Die Decke wachsen zu sehen motiviert halt auch ungemein. Zudem überlege ich meist gleich, welche Farben aus dem Restebeutel ich anschließend nutzen will, und dann ist es schon geschehen.

Das letzte Sechseck im Jahr 2016 war eines, in das ich die Zahlen dieses und des kommenden Jahres einbrachte. Ich mag die Vorstellung, dass ein Strickstück – und ganz besonders eines, das so viel Mühe gemacht hat wie dieses – einige Zeit überdauert und vielleicht sogar vererbt wird, und dass man dann erkennen kann, wann es hergestellt wurde.


Aber so wie es eben gerade läuft, habe ich doch noch eines angeschlagen und hätte es auch bestimmt noch beendet, wäre mir nicht doch noch die naturweiße Wolle ausgegangen. 


Da meine Decke nunmehr so gewachsen ist, hoffe ich, sie im kommenden Jahr zu beenden. Daher sollte ich nicht mit meiner aktuellen Obsession hadern, sondern stricken, stricken, stricken, solange es Spaß macht.


Ich wünche euch ein schönes, friedliches Jahr 2017. Mögen eure Wünsche in Erfüllung gehen und eure Stricknadeln nicht stumpf werden.

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3 Antworten zu “Anatolian Dreams – Fortschritt 2016

  1. Unglaublich schön!…Und es ist sicher eine gute Idee,um die Jahreszahlen hier mit einzubringen. Du hast ein wahnsinnig gutes Auge für Farbcombinationen mit einer gewissen Spannung, die das Gesamtbld interessant und erfrischend machen. Ich wünsche Dir ein gesundes und friedvolles 2017.

  2. Auch von mir kommen Wünsche für ein vor allem gesundes und friedliches Neues Jahr, dass Dir die Stricklust erhält und Deine Kreativität.
    Diese Decke wird ein Traum – sie wird sicherlich nicht nur warm halten, sondern den Blick dessen, der sie nutzen darf, auch immer fesseln – bis man jedes der tollen Sechsecke gewürdigt hat, ist man mit Sicherheit schon sanft eingeschlummert! 🙂 Hut ab – ich finde sie auf jeden Fall des Weitervererbens würdig! Quasi ein Sechser im Lotto! 🙂
    Und ich freue mich, dass Du nun wieder an den speziellen Nadeln hängst und uns wieder zum Staunen bringst!

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