Was ich schon lange mal sagen wollte…

Eigentlich habe ich im Moment gar keine Zeit, um groß auf meinem Blog zu schreiben. In einem Monat muss ich meine Masterarbeit abgeben, an der noch viel geschrieben werden will. Aber dieser Eintrag muss jetzt sein, und ich muss euch warnen, denn hier geht es nicht um schöne Muster, kuschelige Garne oder ausgefallene Stricktechniken. Heute geht es nicht um die heile Strickwelt, sondern um das echte Leben.

Was ist passiert? Ich war gerade in einem größeren Supermarkt beim Einkaufen, und weil es da gleich hinterm Eingang eine Abteilung mit Zeitschriften gibt, schaue ich da schon aus Gewohnheit, was es neues gibt. Ich blätterte also in den Sandras und Sabrinas der heimischen Strickwelt und hielt dann auch ein Machwerk namens Stricktrend (oder so ähnlich) in den Händen. Mal eben durchgeschaut, ja, das übliche, diverse Damenpullover, manche mit dünnen und noch mehr mit dicken Garnen gestrickt, und, oh, ein Artikel über strickende Männer. Da war es wieder, das Thema, das mich jetzt schon seit ein paar Jahren beschäftigt und das seit dem Beginn meiner Arbeit im hiesigen Wollgeschäft Ende letzten Jahres besonders aktuell ist.

Im Geschäft vergeht kein Arbeitstag, an dem ich mir nicht mindestens eine blöden Kommentar anhören darf. Ja, ich muss zugeben, es hat sich deutlich verbessert. Die Kundschaft hat sich an mich gewöhnt, viele haben mittlerweile gelernt, dass ich Ihnen auch den einen oder anderen Tip geben kann. Am Anfang jedoch war es sehr schwer, viele Diskriminierungen haben mich nicht nur wütend gemacht, sondern auch traurig. Ich war es einfach leid. Meine schönsten Erlebnisse waren beispielsweise, als ich eine Kundin fragte, ob ich ihr behilflich sein könne, und diese in schallendes Gelächter ausbrach und fragte: „Duuu?“. Oder die Kundin, die zwar eine Frage hatte, sich meine Antwort aber gar nicht erst richtig anhörte und sagt: „Ich möchte bitte von jemandem beraten werden, der sich auskennt.“ Wie oft ich gefragt wurde „Sie arbeiten hier?“ kann ich gar nicht mehr sagen, aber wenn die Leute es dann akzeptiert haben, kommt sehr oft auch die Frage hinterher, ob ich den auch stricken könne oder würde. Ja, natürlich kann ich stricken, ich arbeite in einem Handarbeitsgeschäft. Wie hoch ist die Chance, in einem Autohaus einen Verkäufer zu finden, der nicht Auto fahren kann? Wenn dann mal der Laden leer ist, sitze ich manchmal mit meiner jeweiligen Kollegin im Laden und stricke. Mehrmals sind dann schon Kunden gekommen und haben angenommen, dieser junge Mann dort würde gerade stricken lernen. Warum lernt der gerade? Weil es strickende Männer ja eigentlich nicht gibt? Und wenn doch (man kommt ja nicht um den Anblick herum), kann man sich das nur so erklären, dass er es gerade lernt, denn das Lernen ist dem Nicht-können am nähesten und am ehesten mit dem eigenen Weltbild vereinbar?

Naja, das sind so die Ereignisse, mit denen ich mich auch heute noch herumplage, wobei manche meiner Kolleginnen mittlerweile noch sensibilisierter geworden sind und sich noch mehr ärgern als ich. Und wie gesagt, es ist besser geworden, auch ich habe mich verändert und strahle Vermutlich eine ganz andere Sicherheit aus als in den ersten Monaten meiner Tätigkeit. Man hat mir auch schon berichtet, dass ich Stammkundinnen hätte, die zielstrebig zu mir kommen, um sich beraten zu lassen. Das fand ich sehr schön, aber es war mir selbst überhaupt nicht aufgefallen. Und es kam auch schon vor, das ich für den Chef gehalten wurde. Das ist zwar lustig (auch meine Chefin war sehr amüsiert) und schmeichelhaft, mal nicht für inkompetent gehalten zu werden, aber im Grunde genauso sexistisch. Sexistisch deshalb, weil anhand des Geschlechts Zuschreibungen gemacht werden, also Vorurteile ausgedrückt werden. Denn wenn meine Kolleginnen zusammen Dienst haben, wird bei allen davon ausgegangen, dass sie stricken können, und keine wird irgendwie als Chefin identifiziert.

Aber kommen wir zurück zu dieser Strickzeitschrift, die ich heute im Regal des Supermarktes entdeckt habe. Am liebsten hätte ich mir die Ausgabe gekauft, um den Text mal so richtig zu analysieren, aber ich wollte andererseits keinen einzigen Cent dafür hergeben. Also muss ich versuchen, mich zu erinnern, und einige Aspekte sind mir noch sehr präsent.

Es wurde damit begonnen, dass jetzt mehr Männer stricken würden, aber dass das stricken ursprünglich ein von Männern ausgeführtes Handwerk gewesen sei. Im Laufe des Artikels wurde dann die strickende, männliche Spezies genauer beschrieben: Es sind meist junge, hippe Männer, die modisch interessiert sind (als Beispiel wird ein Visagist angeführt). Sie haben genaue Vorstellungen, was sie stricken wollen. Sie mögen glatte Garne, nicht zu dick, und wollen immer schnell fertig werden. Sie sind (strick-) technisch interessiert und perfektionistisch veranlagt. Außerdem stricken sie meist fest.

Also bitte, ist das irgend etwas anderes als die Ausbreitung eines Stereotyps? Ich persönlich bin zwar kein Visagist, und habe auch nicht vor, einer zu werden, aber ich finde mich zugegebenermaßen in einigen dieser Beschreibungen wieder. Aber ich finde auch viele Strickerinnen wieder, denn unter denen gibt es auch die Feststrickenden, die Perfektionistinnen, die an Mode Interessierten. Wie eingangs schon erwähnt, schreibe ich gerade an meinem Master. Ich studiere eine Fachrichtung, in der es auch um Forschung geht. Wenn ich meine Arbeit so aufbauen würde, wie diesen Artikel, würde ich das Pamphlet von meiner Gutachterin (im übertragenen Sinne) um die Ohren gehauen bekommen. Der Artikel ist in keiner Weise wissenschaftlich. Natürlich kann man das nicht erwarten, denn es ist ja keine soziologische Fachzeitschrift, sondern nur ein Strickheftchen, aber die Autorin hätte sich gerne etwas Mühe geben können, ein wenig differenzierter zu berichten.

Wo Vorurteile existieren, gibt es auch immer die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Schon vor einigen Jahren sah ich mal einen Dokumentarfilm, in dem junge Neonazis interviewt wurden. Die fanden naturgemäß alle Türken ziemlich blöd und wollten die aus „ihrem“ Land rausschmeißen. Dann hingen sie aber am Dönerladen an der Ecke ab und fanden den dort arbeitenden Ali (ich meine, so hieß der Mann) ganz in Ordnung, schließlich mache der ja auch einen leckeren Döner. Das Auseinandersetzen mit dem Verkäufer hat also nicht dazu geführt, die eigenen Vorurteile zu überdenken, sondern hat diese noch bestätigt. Man mag dieses Beispiel krass finden, man mag denken, was haben denn die Nazis mit dem Stricken zu tun, aber es geht darum, das Prinzip zu veranschaulichen. Solange extra Artikel zum Thema strickende Männer verfasst werden, solange darin Stereotype transportiert werden, werden die Vorurteile nicht abgebaut, sondern immer wieder reproduziert (um mal in der wissenschaftlichen Sprache zu bleiben). Also, wann werden in diesen Zeitschriften strickende Menschen dargestellt, unabhängig davon, welches Geschlecht sie haben? Wann begreifen die Verlage, dass da auch eine andere Kundschaft sein könnte, die sie noch gar nicht im Blick haben, und richten ihre Angebote danach aus? Das bedeutet, wann ist nicht mehr die Mehrheit der Modelle für Frauen gemacht, während die Männermodelle ganz hinten im Heft zu finden sind? Wann wenden sich Anleitungen für Herrenmodelle nicht mehr an die Strickerin, die das Teil für den Liebsten strickt? Wann muss ich mich in Heften und Büchern nicht mehr mit „Liebe Strickerinnen“ begrüßen lassen?

Bitte, liebe Verlage, hört endlich auf mit diesem Blödsinn und kommt mal im aktuellen Jahrtausend an. Alle möglichen Menschen stricken gerne, nicht erst, seit ihr die neue Strickwelle ausgerufen habt. Akzeptiert das, und es soll euer Schaden nicht sein. Ich zum Beispiel kaufe sehr gerne Strickbücher und -zeitschriften, aber oft muss ich die in den Regalen liegen lassen, weil nichts interessantes für mich drin ist. Dabei möchte ich euch doch so gerne etwas von meinem hart erarbeitetem Lohn abgeben.

Aber nicht nur die Verlage haben schuld an der Situation, auch nicht die Strickerinnen, die in längst überholten Rollenvorstellungen gefangen sind.  Auch ihr, liebe strickende Männer, tragt Schuld. Denn ihr macht den ganzen Quatsch mit. Ihr verkauft eure Bücher, die nicht selten anspruchslose Strickkost für Anfänger enthält, indem ihr euch als hippe Jungunternehmer, als ungemein kreative Leute, als Künstler oder als einfach nur „etwas verrückt“ darstellt. Ihr tut nichts, um Vorurteile aufzulösen, ihr macht es nur noch schlimmer, weil ihr euer Geschlecht benutzt, um euch aus der Masse der Strickdesigner abzuheben. Und auch wenn ihr keine Designer seit, wenn ihr beispielsweise Blogs für oder über strickende Männer macht oder Männerstricktreffs gründet, reproduziert ihr immer wieder den Unterschied. Seht her! Wir sind strickende Männer! Wir sind besonders!

Natürlich ist es verlockend, eine Sonderrolle zu nutzen, denn ob man es will oder nicht, man bekommt (zur Zeit noch) eine besondere Aufmerksamkeit als strickender Mann. Es schmeichelt, und es tut auch gut, wenn man mal nicht blöd angeguckt, sondern als Besonderheit betrachtet wird. Aber das kann doch nicht das Ziel sein. Wenn es schon um Anerkennung und Konkurrenz gehen muss, wollt ihr nicht lieber für eure Werke Anerkennung finden, als für das zufällige Merkmal Geschlecht?

Ich habe einen Traum, in dem darf jeder Mensch stricken. Es geht um Muster, Garne und Techniken, also nur um die heile Strickwelt. Manchmal kommen männliche Kunden in den Laden, und nach kurzem Beschnuppern sind wir beide froh, uns nur über das Stricken unterhalten zu dürfen, ohne das sonst unterschwellig vorhandene Thema Geschlecht. Ich als Verkäufer habe nicht mehr das Gefühl, mich beweisen zu müssen, und der Kunde muss sich auch  nicht mehr komisch fühlen (dieses peinliche Gefühl, als ich selbst noch Kunde war, kann ich noch gut erinnern). Es macht sich da immer mal wieder eine Art Erleichterung breit, die sich einfach nur gut anfühlt. So könnte es gerne immer sein.

Zum Abschluss noch eine Anekdote: Eine Bekannte arbeitet im Supermarkt an der Kasse. Als ich dort einkaufen war, war ich gerade beim Bezahlen, als sie sich zu ihrer Kollegin an der nächsten Kasse umdreht und laut sagt: „Guck mal, der Mann hier kann richtig gut stricken.“ (Ja, das war eine typische „Erna, wat kosten die Condome?“-Situation, falls ihr euch an die Werbung aus den Neunzigern erinnert.) Jedenfalls reagierte die andere Kassiererin mit einem leicht gelangweiltem Schulterzucken und sagte nur „Na und? Und ich kann ’n Autoreifen wechseln.“ Die Antwort hat mir gefallen, denn eigentlich will ich doch nur meinem Hobby nachgehen, ohne das ganze Getue drumherum.

Nachtrag: Wenn ich schon dabei bin, möchte ich eines nicht unerwähnt lassen, und dass sind die vermeintlich emanzipierten Frauen in der Strickszene. Egal ob auf Ravelry oder in anderen Strickforen, immer wieder fallen mir Strickerinnen auf, die scheinbar ganz versessen auf Gleichberechtigung der Geschlechter sind. Sie sehen sich (ungerechtfertigterweise) in dem Wörtchen man nicht vertreten, wesahlb sie es durch frau ersetzen. Wenn sie also schreiben „Dazu schlägt frau zunächst 60 Maschen an…“, ist das nach außen zwar ungemein emanzipatorisch, sagt aber im Grunde nur aus, dass Stricken doch eine Frauenarbeit ist. Der Versuch der Gleichberechtigung scheitert, bestätigt nur ein Vorurteil, und schließt mich als Stricker auch noch aus. Bei solchen Gelegenheiten bin ich immer versucht, zu fragen, wieviele Maschen ich denn als Mann anschlagen müsste. Ein anderer Knackpunkt, über den ich schon eine sehr angeregte Diskussion auf Ravelry hatte, ist der Begriff der Männerfarben, also Farben, in dem speziellen Fall von Socken, die Männer tragen können/wollen/dürfen. Ich will das nicht weiter ausführen, der Eintrag ist auch schon lang genug, sondern einfach nochmal festhalten, dass hier Gleichberechtigung angestrebt wird, sie aber überhaupt nicht gelebt wird. Gleichberechtigung heißt eben nicht, dass man sich unterdrückt fühlt und sich davon befreit, um anderen dann wieder Vorschriften zu machen, und sei es nur, ob diese anderen dunkelbraune oder pinke Socken tragen sollten. Gleichberechtigung bedeutet, dass alle die gleichen Rechte haben.

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23 Antworten zu “Was ich schon lange mal sagen wollte…

  1. Ich kann deinen Ärger sehr gut verstehen und freue mich, daß du den Ärger so ausführlich darstellst und begründest.
    Vielleicht kapiert ja mal jemand was?

    Ich habe auch schon eine Weile auf meiner http://www.Wockensolle.de eine Kategorie „Strickende Männer“, aber ich glaube nicht, daß ich da diskriminiere, eher zeige ich auf, wie das Thema öfters behandelt wird. Oder ich stelle ganz besonders interessante Stricker vor.

    Meinst du ich sollte die Kategorie beibehalten? Empfindest du diese Kategorie auch als diskriminieren?

    • Hallo,

      ich würde dir natürlich nie in deinen Blog reinreden wollen, dazu hätte ich gar kein Recht. Dass du mich aber trotzdem fragst, hat mich sehr gefreut. Und um deine Frage zu beantworten: Deine Kategorie „strickende Männer“ finde ich schon deswegen gut, weil sie nicht die gängigen Bilder nachzeichnet, die in den Medien verbreitet werden. Zum einen sind da die (wie ich vermute) älteren Kunstwerke, die noch ein ganz neutrale Haltung haben, zum anderen stellst du Menschen wie Herrn Kwasniak vor, der auch mein Nachbar sein könnte und sich nicht irgendwie unnatürlich mit seiner Leidenschaft in Szene setzen muss. Also, auch wenn du meiner Zustimmung eh nicht bedarfst, mach bitte weiter.

      Und bei Gelegenheit muss ich mal ganz in Ruhe in deinem Blog stöbern, beim Überfliegen habe ich schon viele interessante Beiträge gefunden!

      Viele Grüße

  2. Ich freue mich, daß dir meine Seite zusagt!
    Als nächstes zum Thema „Strickende Männer“ möchte ich das Buch „Men who knit and Dogs who love them“ vorstellen, das finde ich ganz witzig

    hab nen guten Tag,

    Connie

  3. Hach ja , es gibt sie halt überall – die BewerterInnen und EinsortiererInnen ….. schade.
    Interessant, es mal so ausführlich dargestellt zu kriegen und zwar „echt“ und nicht für eine Zeitschrift. Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass mir die Anrede „Strickerinnen“ bisher gar nicht aufgestoßen ist! Sorry!
    Ich denke, da steckt auch viel „Traditionelles“ in uns allen, weil Vieles so geschlechtsspezifisch erlernt und erfahren wird. Ich kann mich zum Bsp erinnern, als mein Vater das (für mich) erste Mal an der Nähmaschine saß, um für die Sessel in unserer Wohnung neue Armlehnenbezüge aus Kunstleder zu nähen, da habe ich gelacht! Ich war vielleicht 8 oder 9 Jahre alt und meinte, ein Mann an der Nähmaschine??? Geht doch gar nicht!? Und das hat mir ja niemand explizit ausgeredet, ich hatte es wohl einfach noch nie vorher gesehen.

    Ach übrigens – viel Erfolg und Durchhaltevermögen für Deine Masterarbeit!!!
    LG
    Andrea

    • Hallo Andrea,

      ja, ich will auch gar keinen bösen Willen unterstellen, ganz sicher hat vieles mit unserer Sozialisation zu tun. Interessanterweise können diese Klischees aufgebrochen werden, wenn der Mann es zu seinem Beruf macht, also Geld verdient und so Anerkennung findet. Was dein Beispiel betrifft: Der Vater an der Nähmaschine ist komisch, aber bestimmt gab es damals auch Männer, die als Schneider gearbeitet haben. Mir ging es als Kind manchmal so, dass die Leute verwundert waren, dass bei uns zuhause nicht die Mutter kocht, sondern der Vater. Aber über einen Koch im restaurant hätte sich niemand gewundert. Mittlerweile hat das Kochen einen ganz neuen Stellenwert in der Gesellschaft bekommen, vielleicht passiert das ja auch mal den Handarbeiten.

      Viele Grüße und vielen Dank für die Erfolgswünsche.
      Dennis

  4. Pingback: Vorurteile | WockenSolle – Knitting Intelligence·

  5. naja, aber umgekehrt geht es Frauen in „typischen“ Maennerberufen oder mit „typischen“ Maennerhobbies genauso. Und viele Technikzeitschriften richten sich eindeutig an Maenner. Ich habe bei meinen Eltern vor kurzem die Anleitung fuer mein ueber alles geliebtes Lego-Technik Auto gefunden – was steht drauf? „Fuer Maenner ab 9“. Hat mich mit neun nicht gestoert, jetzt mit 45 schon eher, aber ich werd’s meiner Tochter trotzdem vermachen (oder gerade deswegen???).

    Unsere Gesellschaft hat teilt nun mal gerne in „maennlich“ und „weiblich“ ein, und alles, was nicht so ganz den Erwartungen entspricht, wird entweder mit Amusement oder Verwunderung betrachtet.

    Ich stricke („typisch“ weiblich), habe aber auch schon Motor und Getriebe eines Autos ueberholt („typisch maennlich“). Wat soll’s? Ich bin ich.

    • Hallo streepie, du hast zweifellos Recht, dass der Zustand so ist. Nur dem „aber“ stimme ich nicht zu, weil ich finde, man sollte nicht den einen Sexismus gegen den anderen aufrechnen. Leider ertappe ich mich auch immer wieder dabei, sexistisches zu denken oder vielleicht auch zu handeln. Aber ich möchte das nicht damit entschuldigen, dass ich ähnliche Erfahrungen machen muss. Im Gegenteil, diese Erfahrungen sollten uns motivieren, das eigene Verhalten mal unter die Lupe zu nehmen, statt uns nur als Opfer zu sehen. Letztens war ich im Baumarkt und wollte mich beraten lassen. Da war eine Verkäuferin in der Nähe und ich überlegte, ob ich sie fragen soll oder doch lieber einen Verkäufer suche. Da merkte ich dann plötzlich, wie blöd dieser Gedanke ist, weil ich ja gar nicht wissen kann, wer sich wirklich besser auskennt, aber gerade versuche, das am Geschlecht festzumachen. Dann habe ich mich erinnert, wie es bei uns im Laden manchmal zugeht, habe meine Vorurteile beiseite geschoben und eine tolle Beratung bekommen. Viele Grüße.

  6. Stimmt, Streepie!
    Und zu den kochenden Männern – das war kein „Problem“ für mich, da haben beide Eltern gekocht und auch mein Sohn macht eine sehr gute Figur am Herd! 🙂 Aaaaber! Die bekannten und berühmten und evtl. auch gut verdienenden „Meisterköche“ sind vorwiegend Männer! Da fallen Frau Polento und Frau Wiener schon wieder auf ….. also ein wohl unerschöpfliches Thema! 🙂

  7. Hallo Dennis,

    vielen lieben Dank für diesen sehr ausführlichen Text. Ich erkenne mich darin sehr wohl wieder! Seit 01.01.13 arbeite ich als Verkäufer in einem Fachgeschäft für exklusive Naturgarne und hatte am Anfang die gleichen „Probleme“ bzw. mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen.

    Aussagen wie: „Sie stricken wohl auch?“ höre ich stellenweise heute noch. Die witzigsten Sprüche waren: „Ich würde gerne mit ihrer Frau sprechen“ (ich hab nicht mal eine), oder: „Ich hab ne Frage zum Stricken, aber da kennen Sie sich ja nicht aus“. Anfangs musste ich darüber noch schmunzeln, inzwischen finde ich solche Sprüche einfach nur peinlich für die Person die sie ausspricht.

    Interessant finde ich dabei von welcher Altersgruppe solche Aussagen kommen. Man könnte meinen es wären die „alten Ömchen“ die mal etwas Sockenwolle kaufen, aber so ist es nicht. Frauen zwischen 40-50 Jahren sind das Klientel, bei mir welche solche Aussagen treffen und das finde ich etwas erschütternd. Die ältere Generation spricht mit mir übers stricken als ob es nie Geschlechterunterschiede gegeben hätte. Im Gegenteil die sind für jeden Tipp dankbar, den ich gebe, da sich ja doch einiges verändert hat auch in der Technik.

    Auf der anderen Seite habe ich schon viele Blogschreiberinnen im Laden kennenlernen dürfen mit denen ich mich sehr ausführlich über neueste Trends und Garnqualitäten unterhalten habe. Zum anderen auch über gewisse männliche Blogger wo wir uns fragten, was denn eigentlich diesen Hype des Blogs ausmacht, denn die Sachen die gestrickt werden sind nicht sonderlich spektakulär bzw. sehen auch nicht immer gut aus.

    Bei Workshops im Laden sind vermehrt auch Männer dabei. Sehr schön finde ich wie bei diesen Workshops miteinander umgegangen wird. Da gibt es kein Mann/Frau, sondern nur die neue Technik die erlernt wird. Erfahrungen werden ausgetauscht, man quatscht über neueste Modelle, Garne, Techniken, Bücher die erschienen sind. Es steht das Thema Stricken an erster stelle und nicht wer die Nadeln hält. So wünsche ich mir das im täglichen Leben auch.

    Eine Stammkundschaft konnte ich mir auch schon aufbauen. Ist immer sehr interessant zu beobachten wie durch die Schaufenster beobachtet wird wer im Laden ist. Noch schöner ist dann zu hören: „Da hab ich ja heute Glück dass Sie im Laden sind, ich schätze nämlich ihre konstruktive Kritik“

    Ach ich könnte noch so viel schreiben, aber dafür sind die Kommentarfunktionen nicht da. Kurz, Danke das du es mal auf den Punkt gebracht hast, was mir schon lange auf der Seele brennt und ich hoffe das einige Verlagsmitarbeiter von diversen deutschen Strickzeitschriften, die ich eigentlich alle zusammen fürchterlich finde, hier mitlesen und es endlich schaffen den strickenden Mann nicht mehr als Ausnahme sondern als neue Einnahmequelle zu sehen.

    Viele Grüße
    Ronny

      • Liebe Adelheid, deswegen habe ich das auch in Anführungszeichen geschrieben 😉

  8. Hallo Ronny,

    vielen Dank für diesen tollen Kommentar. Ich musste auch schmunzeln, weil ich das eigentlich alles bestätigen kann. Das mit dem „da kennen Sie sich ja nicht aus“ kenne ich auch, hatte ich erst vor kurzem wieder. Zwei Kolleginnen waren im Laden (eine hatte noch nicht einmal Dienst), eine Kundin wurde beraten. Danach geht Kollegin 1 ins Lager, Kollegin 2 holt sich mal eben was zu essen. Die Kundin stöbert noch etwas und sagt dann: „Ach, jetzt sind die Frauen weg, das ist ja blöd.“ Ich frage, warum das blöd sei, und sie sagt, sie hätte halt noch eine Frage gehabt. Manchmal möchte ich in diesen Momenten einfach sagen „Ja, schade, da müssen Sie dann wohl warten.“, aber dazu bin ich dann wohl doch zu freundlich.

    Oder im Frühling, als ich gerade Kartons im Keller verstaut hatte und durch die Vordertür zurück in den Laden kam. Eine Kundin stand vor der Kasse und wartete auf meine Kollegin, die etwas aus dem Lager holte. Ich sage also freundlich hallo und begebe mich schwungvoll hinter die Kasse, um das Teppichmesser, was ich zum Aufschneiden der Kartons brauchte, im Schubfach darunter zu verstauen. Die Kundin hat dann einen tierischen Schreck bekommen und gedacht, das wäre ein Überfall.

    Ja, von diesen Geschichten haben wir sicher einige, man sollte darüber bloggen.

    Viele Grüße. Dennis

  9. Hallo Dennis,

    ich habe den Beitrag in „Stricktrends“ (bisher) nicht gelesen…

    Ich antworte trotzdem auf deinen Beitrag, weil es mich auch total nervt, dass eigentlich überall wo es um das Thema Stricken geht, immer nur Frauen angesprochen werden. Wenn neue Zeitschriften auf den Markt kommen kann man froh sein, wenn überhaupt mal (eine halbwegs ansprechende) Anleitungen für einen Männerpullover/-jacke dabei ist.
    Logisch, dass ich das Magazin dann nicht kaufe, weil es sich einfach nicht lohnt.

    Woran liegt das? Selbst wenn der Anteil der strickenden Männer/Käufer gering(er) ist, frage ich mich: Haben Frauen keine Lust ihren Männern etwas zu stricken? Können viele Frauen keinen tragbaren Männerpullover fertigen, der ihren Männern (Söhnen, Neffen, usw.) gefällt, weil er z.B. schlecht gefertigt ist oder die Wolle kratzt oder die Farbe häßlich ist oder die Form daneben ist oder wollen sie es nicht?

    Auch bei ravelry sieht man (fast) immer nur die weibliche Form…finde ich auch total daneben.

    Ich denke…Stricken ist weiblich besetzt, weil Frauen damit viel öffentlicher umgehen und nur deshalb stricken (noch) viele Männer „im Untergrund“, weil einige es wohl auch peinlich finden als „schräg“ angesehen zu werden…

    Gruß
    Kay

  10. Ha! Nach der Beschreibung der Vorlieben strickender Mænner bin ich auch einer 😎 War mir so noch nicht aufgefallen… Aber die Zuweisung bestimmter Rollen anhand vøllig oberflæchlicher Merkmale ist mir auch schon passiert – vielleicht, damit mir der Un-Sinn bewusst wurde. Meine Sockenferse (Bumerang) habe ich uebrigens von einem Man gelernt – der sass bei den Blechblæsern (Trompete zweite Stimme) neben mir…

  11. Pingback: Links zum Wochenende. | ringelmiez·

  12. Ist halt nicht so einfach, das Rollenbild loszuwerden, welches man im Laufe seines Lebens mitbekommen hat. Um mich rum strickten eben nur die Frauen und ob Du es glaubst oder nicht – ich habe noch nie einen strickenden Mann live und in Farbe gesehen! Insofern wäre auch ich Opfer meines Erlebens und würde nicht automatisch voraussetzen, dass jeder Mann im Strickladen auch strickt. Auch wenn die meisten Autoverkäufer Auto fahren. Aber auch nicht jeder Anlageberater ist vermögend. Und solange ausschließlich die Frauen die Kinder zur Welt bringen, lebe ich einfach damit, dass es eben doch gewisse Unterschiede gibt.

    Dabei wechsele ich selbst die Räder am Auto! Den Reifenwechsel überlasse ich dann doch den Profis – denn das Gummi über die Felge ziehen ist mir daheim nicht möglich!

    Danke für den teilweise amüsanten aber auch nachdenklich machenden Bericht.

    • Hallo und Danke für deinen Kommentar. Ich bin nicht so sicher, ob ich alles so verstanden habe, wie du es meinst. Mir geht es jedenfalls nicht darum, alle Geschlechter gleich machen zu wollen, was ich aus deinem Beispiel (Kinder zur Welt bringen) herausgelesen habe. Auch das Argument mit dem Anlageberater teile ich nicht. Mag sein, dass nicht jeder von ihnen vermögend ist, aber es wird dir auch keiner sagen, dass er dich nicht beraten kann, weil er keine Ahnung davon hat. So ist es eben auch im Fachgeschäft, da arbeiten in aller Regel Menschen, die sich mit den Dingen auskennen, die sie verkaufen. Ansonsten wäre es nur ein Supermarkt.

      • Naja, ich wollte nur für ein wenig Verständnis werben, weil ich mich auch zu denen zählen würde, die nicht sofort den einzigen Mann im Strickgeschäft als den Fachmann einschätzen. Das ist ja gar nicht böse gemeint, wenn der eine oder andere nach der (weiblichen) Fachkraft fragt, sondern nur teilweise anerzogenes, teilweise erlerntes Verhalten. Das ist einfach nur nicht nachgedacht und etwas kopflos, aber sicher nicht böswillig.

        Mir gehts doch auch so, dass man schnell in die Klein-Blondchen-Schublade sortiert und einem rasch Kompetenz und Klugheit abgesprochen wird, weil man nicht brünett ist und sich die Fingernägel lackiert, statt im mausgrauen Business-Kostüm rumzulaufen. Ist wohl leider menschlich, das mit den Vorurteilen.

        Einfach lächeln und drüber stehen!

  13. hab grade deinen blog entdeckt und liebe ihn jetzt schon! und ich habe eine schöne geschichte für dich: im strickladen meiner wahl schneiten neulich zwei kleine jungs rein, in schlammverdreckten trikots, mit aufgeschlagenen knien und einer von ihnen hatte sogar noch den fußball unterm arm. die verkäuferin hatte sich wohl innerlich schon auf krawall eingestellt, als der eine von beiden schnurstracks zu ihr lief und meinte: “ ich will meinem freund stricken beibringen! ich brauche möglichst dicke wolle in fc-bayern farben und die passende rundstricknadel.“ der dame sind fast die augen aus dem kopf gekullert… ich habe mit dem jungen herren dann noch eine qualifizierte unterhaltung über verschiedene stricktechniken geführt, erfahren, dass er sie von seiner oma erlernt hat und dass er spitzenmuster „total cool“ findet, obwohl das nichts zum anziehen für jungs wäre, aber er strickt jetzt seiner mutter einen spitzenschal, einfach weil es so viel spaß machen würde… und die jungs in seinem verein würden seinen selbstgestrickten fan-schal so toll finden, deswegen sei er jetzt hier, um seinem kumpel stricken beizubringen… als die beiden lütten weg waren meinte die verkäuferin kopfschüttelnd zu mir „da kommen jetzt immer mehr jungs. die wollen sich mützen häkeln oder schals stricken. und die älteren wollen etwas für ihre freundin machen… naja…“
    ich würde also mal ganz optimistisch annehmen, dass sich der „exotenstatus“ für sowohl strickende männer, als auch, z.b. für autoschraubende frauen in zukunft einfach “ auswachsen“ könnte…. 🙂

    lg katrin

  14. Danke, dass du uns an deinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lässt! Ich bin noch ganz neu in der Blogosphäre und habe mich noch nicht ausführlicher mit den Stereotypen strickender Männer beschäftigt; aber je mehr ich das Handarbeiten quasi vom Privaten ins Öffentliche trage, sprich: nicht mehr nur auf der Couch vor mich hinstricke, sondern auch vermehrt in Blogs und anderen Online-Plattformen stöbere, fällt mir generell auf, wie stark Stricken und andere Handarbeiten sich doch unter Genderaspekten betrachten lassen. Dass es aber auch Auslöser für so offene Diskriminierung sein kann, wie du sie etwa im Garngeschäft erlebst, darauf wäre ich nie gekommen und es tut mir sehr leid, das zu hören!

    Lass dich nicht unterkriegen (und viel Erfolg für deine Masterarbeit)!

    LG, M.

    P.S. Ich klicke mich gerade ganz begeistert durch deine großartig-vielfältigen Sockenmodelle. Socken haben mich bislang wenig gereizt, hielt sie für eher langweilig – welch Frevel! Deine Kreationen sind wahre Kunstwerke! Wirklich wunder-wunderschön! Der Follow-Button ist fest gedrückt!

    • Hallo M., vielen Dank für deinen Kommentar. Die Masterarbeit ist jetzt auch abgegeben und nun folgen hoffentlich wieder mehr Einträge auf diesem Blog. Ich wünsche dir viel Spaß in der „Blogosphäre“! Viele Grüße. Dennis

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