„200 Fair Isle Designs“ von M. J. Mucklestone

Ich gebe es zu, ich kaufe sehr gerne Strickbücher, bei denen es um mehrfarbiges Stricken geht. Die Auswahl ist leider nicht überragend (oder ich bin zu wählerisch), weswegen ich Neuerscheinungen immer interessiert erwarte oder auch mal ein Buch kaufe in der Hoffnung, dass es doch besser ist, als ich denke.

So ging es mir auch bei „200 Fair Isle Designs“ von Mary Jane Mucklestone. Ich konnte mich erst nicht zum Kauf überwinden, zu wenig reizten mich die Einblicke, die ich online bekommen konnte. Aber nachdem ich auf ravelry immer wieder Positives über das Buch las, habe ich es bei einem kleinen Händler bestellt.

Bei meinem Exemplar handelt es sich um die aktuell erhältliche zweite Auflage. Die erste Auflage hatte ein etwas anderes Cover (in meinen Augen auch das schönere) und hieß noch „200 Fair Isle Motifs“. Gegliedert ist das 208 Seiten starke Buch in zwei Hauptkapitel, die „Essential Skills“ und das „Design Directory“. In ersterem werden die Grundlagen der Fair Isle Technik Technik auf den Punkt gebracht. Hier erfährt man ein wenig über verschiedene Faser- und Garnsorten, welches Zubehör man brauchen könnte (einen Reihenzähler habe ich noch nie benutzt) und letztendlich, wie man mehrfarbig strickt. Es wird über Probeläppchen und Fadenspannung gesprochen und der Maschenanschlag, das Rundstricken und die verschiedenen Möglichkeiten der Fadenhaltung erklärt. Anfänger können das ausprobieren, sollten sich aber nicht zu genau an die dargestellten Methoden klammern. Oft entwickeln StrickerInnen ganz eigene Methoden, und es ist nichts verkehrt, wenn es funktioniert.

Die Autorin geht  kurz auf die sogenannte „Yarn Dominance“ ein (welche Farbe liegt oben oder unten, was beeinflusst, welche Farbe auf der Vorderseite des Strickstücks dominanter erscheint) und erklärt das Verweben längerer Spannfäden (auch hier habe ich eine ganz ähnliche, für mich schnellere Methode). Natürlich dürfen die obligatorischen Zu- und Abnahmen sowie das Verbinden vor Strickstücken (Maschenstich oder gemeinsames Abketten) nicht fehlen. Auf zwei Seiten wird noch das Arbeiten mit Steeks erklärt (das sind die Stellen, an denen später aufgeschnitten wird), bevor die Autorin zur Farbtheorie übergeht.

Farbtheorie darf heutzutage ja in keinem Buch mehr fehlen, aber wie meistens wird das ganze nur kurz angerissen, ich lese es mir durch, habe es auch verstanden, aber weiß nicht so recht, was ich damit soll. Dazu kommt der „Geheimtipp“, von seiner Farbauswahl ein Schwar/Weiss-Foto zu machen, um das Verhältnis der Farbintensität der ausgesuchten Garne zu begutachten. Für mich ist das eine eher überflüssige Spielerei, denn auch vor Erfindung der Digitalfotografie wurden beeindruckende Farbkombinationen hervorgebracht. Ich bleibe bei meiner bisherigen Methode: Farben nebeneinanderlegen und eine Probe stricken.

Nach vier weiteren Seiten zum Planen eines Projektes geht es mit dem Kapitel los, dass dem Buch seinen Namen gibt. Und leider ist dieses eine wirkliche Schwachstelle.

Die 200 Einstrickmuster breiten sich auf insgesamt 161 Seiten aus, wobei sich jeweils auf der linken Seite die Charts befinden (Schwarz/Weiss, zwei Farbvarianten und eine all-over-Version) und auf der rechten ein Foto des Musters in Lebensgröße. Prinzipiell ist das gut gemacht, wenn da nicht die langweilige Auswahl an Mustern wäre. Es geht ganz einfach los, mit einem Muster, bei dem abwechselnd eine Masche Muster- und Hintergundfarbe gestrickt wird. Bei so einem einfachen Muster wirken die (zwei) Farbvorschläge natürlich wie ein Witz. Bei den nächsten Mustern ist das kaum anders, etwas interessanter wird es erst nach den ersten 100, und wirklich veröffentlichswert sind vielleicht 40 der Muster. Von einem Buch, das 200 schöne Designs ankündigt, hätte ich eben genau das erwartet. Extrem simple Muster, die sich wirklich jede/r ausdenken kann, fallen bei mir jedoch nicht in die Kategorie Design. Wenn ich bedenke, was ich in anderen Büchern geboten bekomme, ist die Auswahl hier wirklich schwach.

Enttäuschend finde ich auch die Farbauswahl der Strickproben. Vielleicht sind sie schlecht fotografiert, einige könnten jedenfalls als Beispiel dienen, wie Farben nicht eingesetzt werden sollten. Mary Jane Mucklestone hat einen sehr guten Ruf als Designerin (ich will mir unbedingt einmal ihren Bauhaus-Sweater stricken), erklärt vorher noch Farbtheorie und Intensität, um dann so etwas abzuliefern. Das finde ich schade und ihrer eigentlich nicht würdig.

Fazit: Im Buchladen hätte ich das Buch wieder ins Regal zurückgestellt. Die Auswahl der Muster finde ich nicht gut, die Farben kann man sich ja glücklicherweise selbst überlegen. Die Einführung zum Fair Isle stricken ist solide, aber keinesfalls erschöpfend. Wenn ich mich für ein einziges Buch zum Thema entscheiden müsste, würde ich zu “ Alice Starmore’s Fair Isle Knitting“ greifen. Hier wird nicht nur so gut wie alles zur Technik erläutert, auch werden schönere Muster quasi gleich nebenbei geliefert.

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