„Fair Isle Knitting“ von Kazekobo

Das Anleitungsbuch „Fair Isle Knitting“ der japanischen Designerin Kazekobo erschien 2009 und ist heute nicht mehr ganz so leicht zu bekommen. Ich konnte im vergangenen Sommer eines ergattern und war dann ein wenig überrascht, als ein recht wackeliger Umschlag  in meinem Briefkasten lag. Irgendwie hatte ich ein Buch mit einem festen Einband erwartet, aber dieses Buch ist eher ein Heft. Ein Heft im Format DIN A4 mit stattlichen 112 Seiten und circa 1 cm Stärke.

Ich will gleich vorwegnehmen, dass mir das Buch sehr gefällt und ich es nicht wieder hergeben möchte, jedoch sind mir bei der ersten Durchsicht gleich einige Kleinigkeiten aufgefallen. Das Buch ähnelt, wie bereits gesagt, eher einem Heft und scheint mit seinen dünnen Seiten ziemlich knitteranfällig zu sein. Ich habe es mir zuerst auf der Couch angeschaut und gleich die ersten Knicke und Macken nur durch das Blättern verursacht, wobei ein paar unschöne Stellen schon vorher vorhanden waren. Man hätte fast denken können, es handele sich um ein gebrauchtes Buch, aber es war neu. Alles in allem ist das ganze nicht dramatisch, vielleicht liegt meine Nörgelei auch einfach daran, dass mir der Rest so gut gefällt und so der Gesamteindruck etwas geschmälert wird.

Das Buch (so will ich es trotz allem weiter nennen) ist ansprechend und fast liebevoll designt. Die vorgestellten Modelle werden in schönen Fotos präsentiert, diese wirken natürlich und nicht so schrecklich gestellt, wie man es in manchen Anleitungsheften deutscher Verlage geboten bekommt. Leider mindert auch hier wieder das Papier den Eindruck, das durch seinen starken Glanz Licht reflektiert und es so schwer macht, die Bilder in Ruhe zu betrachten.

Aufgeteilt sind die 112 Seiten in 4 Bereiche: Pullover, Westen, Strickjacken und Accessoires wie Mützen, Schals und Handschuhe. Zwischen den Bereichen gibt es kurze Exkursionen, in denen von der Tradition des Fair Isle Strickens oder beispielsweise von den Schafrassen berichtet wird. So ganz genau kann ich das natürlich nicht sagen, denn das Buch ist fast ausnahmslos auf japanisch geschrieben. Einige der Strickstücke werden gleich mit den entsprechenden Charts  dargestellt, die meisten Anleitungen finden sich aber im hinteren Teil des Buches, ab Seite 77.  Auch einige Techniktipps sind eingestreut, die man dank der vielen Bilder auch ohne Japanischkenntnisse nachvollziehen kann. Hier werden die unumgänglichen links- und rechtsgerichteten Maschenabnahmen erklärt (diese findet man wirklich in jedem Anfängerbuch und sie werden wahrscheinlich nur der Vollständigkeit halber stets wiederholt), aber auch wie man Blenden oder Taschen an- beziehungsweise einfügt. Insgesamt finden sich im Buch die Anleitungen für 6 Pullover, 6 Westen, 4 Jacken, 2 Capes, 3 Schals, 4 Mützen, 1 Cowl, 1 Set aus Arm- und Beinstulpen, 1 Paar Beinstulpen und 5 Paar Finger- beziehungsweise Fausthandschuhe.

Jetzt kommen wir zu den Anleitungen selber. Ich denke, man sollte ein wenig Erfahrung in dieser Stricktechnik mitbringen – oder aber sehr mutig sein. Wenn man weiß, wie man zweifarbig strickt oder Steeks arbeitet, sehe ich erstmal keine Probleme. Die Stücke sind schnittmustermäßig dargestellt und mit Längenangaben versehen. Wenn man also eine Maschenprobe strickt, was bei Fair Isle alleine schon für das Testen der Farbkombinationen empfohlen wird, kann man sich den Rest ausrechnen. Vor dem Rechnen sollte man aber auch schon deshalb nicht zurückschrecken, da jeweils nur eine Grösse angegeben ist, wie in japanischen Anleitungen üblich.

Die Charts sind, und das sage ich keinesfalls leichtsinnig, die besten, die mir bisher untergekommen sind. Sie sind praktisch selbsterklärend. Ich kann gar nicht die Worte finden, die ich gerne dazu verlieren würde, da passt einfach alles. Selbstverständlich sind sie auch farbig. Zudem wurde vermerkt, welche Farbnummern jeweils verwendet wurden, und sogar ein grammgenauer Bedarf wurde angegeben.

Die verwendeten Garne der Firma Richmore sind „Percent“ und „Mild Lana“. Ich konnte bisher noch nicht herausfinden, ob diese Garne in Europa oder gar in Deutschland zu bekommen sind. Jedoch lässt sich scheinbar, ausgehend von der jeweiligen Lauflänge, Percent mit Jamieson’s Double Knitting und Mild Lana mit Jamieson’s Spindrift oder J&S‘ 2ply Jumper Weight ersetzen.

Fazit: Ich bin froh, dieses Büchlein noch bekommen zu haben. Eine Zeit lang habe ich es immer mal wieder bei Amazon Japan angeschaut, aber die Versandkosten gescheut. Ich wollte es mir irgendwann einmal von einer befreundeten Japanerin mitbringen lassen. Als ich dann gesehen habe, dass es mittlerweile bei Amazon überhaupt nicht mehr erhältlich ist, habe ich es bei Ebay gefunden. Das günstigste Angebot hat mich mit kostenlosem Versand aus Hong Kong umgerechnet 35 Euro gekostet, wovon ich keinem Cent hinterherweine. Die schönen, farbenfrohen Modelle und die selbsterklärenden Anleitungen sind es auf jeden Fall wert, da ändern auch die kleinen Minuspunkte nichts dran.

Übrigens gibt es von Tichiro eine Zusammenfassung ihrer sehr lesenswerten Blogeinträge zum Thema „Keine Angst vor Japanern“.

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