Anleitung: eingestrickte Ferse (Teil 2)

Im ersten Teil der Anleitung haben wir besprochen, wie die Fersenöffnung mittels eines Kontrastfadens vorbereitet wird, wie sie geöffnet wird und was beim Aufnehmen der Maschen für die Ferse zu beachten ist. In dieser Anleitung geht es nun um die eigentliche Ferse.

Eine eingestrickte Ferse kann auf verschiedene Weise gearbeitet werden, eines haben die allermeisten Varianten aber gemeinsam: Sie sind im Grunde nur eine zweite Sockenspitze. Die Varianten, die ich im Folgenden vorstellen werde, können also genauso gut auch als Spitze verwendet werden.

Bevor es losgeht, muss ich allerdings noch ein Wort zu den Maschenabnahmen verlieren, die wir für Ferse oder Spitze benötigen. Für viele StrickerInnen ist es bestimmt nichts neues, aber zur Sicherheit erläutere ich es noch kurz: Maschenabnahmen können sich nach links oder nach rechts neigen, je nachdem, wie die Maschen zusammengestrickt werden. Wenn man hier einen Fehler macht, ist das glücklicherweise nicht tragisch, passen wird die Socke trotzdem. Jedoch sieht das Maschenbild  nicht mehr so schön aus. Es mag sein, dass den meisten nicht strickenden Menschen eine falsche Abnahme nie auffallen würde. Ich persönlich kann mich aber für genau diese Kleinigkeiten begeistern und mich würde so ein Fehler in meiner eigenen Arbeit schon sehr stören.

Linksgerichtete Maschenabnahme: Diese Form der Abnahme ist wohl am geläufigsten, weswegen ich diese Methode meine, wenn ich in den Anleitungen von „Abnahme“ spreche. Hierbei wird die rechte Nadel statt in eine in zwei Maschen gestochen. Die neue Masche wird dann durch die beiden alten Maschen gezogen.

Rechtsgerichtete Abnahme: Hierfür wird zunächst eine Masche wie zum Rechtsstricken abgehoben. Danach wird eine rechte Masche gestrickt. Jetzt muss die abgehobene Masche über die gerade gestrickte Masche gehoben werden, was man mit der linken Nadel macht. Diese Abnahme wird daher auch als „Überzug“ bezeichnet.

Im englischsprachigen Raum wird meist eine leicht abgewandelte Methode benutzt, die aber das selbe Ergebnis hat. Hierzu werden zwei Maschen abgehoben, wonach die linke Nadel von links in diese beiden Maschen gesteckt wird, um dann mit der rechten Nadel eine Masche zu stricken. Diese in englischen Anleitungen als „ssk“ (slip slip knit) bezeichnete Methode hat einen Vorteil: Beim Überziehen wird an der abgehobene Masche gezogen, wodurch sie mitunter sichtbar größer erscheint als die restlichen Maschen. Mit der ssk-Abnahme passiert das nicht.

Noch ein letztes Vorwort: Alle hier vorgestellten Fersen bestehen aus zwei identischen Seiten. Ich beschreibe immer nur eine Seite, beim Nacharbeiten müsst Ihr daher darauf achten, das Beschriebene pro Runde zweimal zu arbeiten!!

Ferse 1

Die erste Ferse ist von der Konstruktion her die einfachste und weit verbreitet. Dabei werden in jeder Runde die zweite und dritte Masche als Überzug, die drittletzte und vorletzte Masche als Abnahme gestrickt.Wenn insgesamt noch 12 bis 8 Maschen übrig sind, wird der Arbeitsfaden getrennt und das Ende durch die verbliebenen Maschen gezogen und im Inneren vernäht.

So entsteht ein Dreieck, das dank der Elastizität von Gestricktem  trotzdem gut passt.

Fersen 1a und 1b

Alternativ kann man ein abgeflachtes Dreieck als Ferse arbeiten (1a), indem man bis zur gewünschten Höhe strickt und die restlichen Maschen im Maschenstich zusammennäht.

Socken mit eingestrickten Fersen weisen meistens keinen Spickel auf, sodass Menschen mit hohem Spann Probleme mit der Passform haben können. Hier gibt es die Möglichkeit, erst einige Runden ohne Abnahmen zu stricken (1b), wodurch die Ferse mehr Tiefe erhält und in der Socke mehr Platz ist.

Ferse 2

Statt für eine dreieckigen Ferse kann man sich auch für eine runde Ferse entscheiden, die die natürliche Form des Fußes noch besser nachzeichnet. Was ich jetzt beschreibe, ist weithin als Bandspitze bekannt, wir benutzen sie eben nur als Ferse. Prinzipiell geht man dabei genauso vor wie bei Ferse 1 (rechts die Überzüge, links die Abnahmen), nur wird jetzt nicht mehr in jeder Runde abgenommen.

Die Änderung der Form wird erreicht, indem Runden ohne Abnahmen eingeschoben werden, wobei die Zahl dieser Runden immer weiter abnimmt.

Beispiel:
Abnahmerunde, 3 Runden ohne
Abnahmerunde, 2 Runden ohne
Abnahmerunde, 2 Runden ohne
Abnahmerunde, 1 Runde ohne
Abnahmerunde, 1 Runde ohne
Abnahmerunde, 1 Runde ohne
Abnahmerunden bis zum Ende

Das Beispiel funktioniert bei mir gut, wenn ich mit einem Garn stricke. Bei mehrfarbigen Socken habe ich aber eine ganz andere Maschenprobe und muss eventuell Anpassungen vornehmen.

Ferse 3

Diese Variante ist geeignet für Socken, bei denen an den Seiten ein breites Band gestrickt ist (wie beispielsweise im ersten Teil der Anleitung gezeigt).

Auch diese Ferse ist der Version 1 sehr ähnlich. Die Abnahmen werden genauso gearbeitet, nur werden sie an den Rand der seitlichen Bänder verschoben. Es wird also bis zur letzten Masche des Bandes gestrickt, diese letzte Masche wird dann abgehoben und als Überzug gearbeitet. Jetzt werden die Maschen des Oberfußes beziehungsweise der Sohle gestrickt, bis eine Masche vor dem Band auf der anderen Seite. Die nächste Masche wird mit der ersten Masche des Bandes als Abnahme zusammengestrickt und anschließend der Rest des Bandes gestrickt.

So wird in jeder Runde weitergemacht, bis zwischen den Seitenbändern noch ein bis drei Maschen übrig sind (Punkt A). Für eine runde Ferse könnte man die verbleibenden Maschen nun im Maschenstich zusammennähen, wobei man an der Unter- oder Oberseite beginnt (siehe gestrichelte Linie bei Punkt B).

Für ein spitze Ferse – oder für die Spitze einer von oben gestrickten Socke – wird weiter in Runden gestrickt. Man strickt bis zur vorletzten Masche des ersten (rechten) Bandes, dann werden eine Abnahme und die zwischen den Bändern verblieben ein bis drei Maschen gestrickt. Die ersten beiden Maschen des linken Bandes werden jetzt noch als Überzug gearbeitet.

Wenn noch sechs bis zehn Maschen übrig sind, wird der Arbeitsfaden getrennt, durch die verbliebenen Maschen gezogen und innen vernäht.

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5 Antworten zu “Anleitung: eingestrickte Ferse (Teil 2)

  1. Deine Arbeit sieht echt super aus! Sehr perfekt!
    Ich bin auf der Suche nach einer Anleitung bei Socken, die von der Spitze gestrickt werden mit Hyprid Ferse und Spickel. Hast Du dafür einen Vorschlag?
    LG Andrea

    • Hallo Andrea, die Hybridferse habe ich in einem anderen Post auch schon angesprochen, damals hatte ich sie von oben gestrickt. Ohne sie schon von der Spitze her gearbeitet zu haben, sehe ich zwei Möglichkeiten. Entweder, du änderst gar nichts und strickst sie einfach in die falsche Richtung, was sicherlich auch passen sollte, oder du strickst sie rückwärts. Dafür dann zunächst an den Seiten zunehmen und einen kleinen Spickel arbeiten, dann über die ursprünglichen Sohlenmaschen den Kontrastfaden für die spätere Fersenöffnung stricken. Jetzt in Reihen weiter, jeweils am Ende mit einer Spickelmasche zusammenstricken. Wenn der Spickel abgearbeitet ist, weiter in Runden. Später noch den Rest der Ferse einsetzen. Viele Grüße. Dennis

  2. Ich hoffe, dass mein Kommentag nun nicht 2x erscheint. Sorry, falls doch. Also:

    Erstmal: Tolle Anleitung, vielen Dank! Ich will mich gerade zum 1. Mal an einer nachträglich eingestrickten Ferse bei türkischen Socken versuchen. Bislang habe ich die Ferse in Runden gestrickt. Ich habe allerdings 2 Fragen, vielleicht kannst du mir ja weiterhelfen:

    1: Wenn ich mit 2 Farben stricke, habe ich mehr Ma/Nd als bei einer Farbe. Beim aktuellen Projekt 19 Ma/Nd statt 13 (bei 6-fädigen Sockengarn). Wenn ich nun eine einfarbige Ferse nachträglich einstricken will: Stricke ich die mit 19 oder 13 Ma/Nd? Soll ich in der ersten und/oder zweiten Runde der Ferse auf meine normale Maschenzahl bei einfarbig Gestricktem reduzieren, damit die Ferse nicht zu weit wird?

    2. Woher weiß ich, wie lange ich ab dem Kontrastfaden bis zum Ende der Socke stricken muss? Da ich oft für andere stricke (als verschiedene Schuhgrößen) und auch verschiedene Spitzenformen benutze (die ja alle unterschiedlich lang sind), wäre es hilfreich, wenn es eine Tabelle gäbe, die mir für jede Schuhgröße die Länge vom Kontrastfaden für die Ferse bis zum Ende der Socke angibt. Gibt es da eine Orientierunghilfe oder eine Tabelle?

    Ich habe mir schon überlegt, ob ich vielleicht den Fuß erstmal bis ca. zur Hälfte stricke, dann die Ferse einstricke und dann erst den Fuß fertig. Das hätte den Vorteil, dass ich die Ferse schon hätte und auf meine bewährten Tabellen für die gesamte Fußlänge zurückgreifen könnte. Wie machst du das?

    Im Voraus schon mal danke!

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