Anleitung: Eingestrickte Ferse

Die nachträglich eingestrickte Ferse ist wahrscheinlich eine der einfachsten Fersenvarianten, den sie ist von der Form her nicht viel anders als eine Spitze. Sie ist besonders im Nahen Osten verbreitet und findet sich hier an vielen traditionell gestrickten Socken.

Die Socke, an der ich die Technik hier erklären möchte,  habe ich von der Spitze an bis zum Bündchen gestrickt. Nachdem der Fuß ausreichend lang ist, wird auf der Unterseite einen Kontrastfaden eingestrickt – hier soll die Ferse später sitzen. Für den Kontrastfaden werden die Arbeitsfäden am Beginn der Fersenöffnung fallen gelassen und mit einem gut sichtbaren Kontrastfaden über die gesamte Länge der Fersenöffnung gestrickt. (Tip: Einen Baumwollfaden kann man später noch leichter entfernen.) Anschließend werden die Arbeitsfäden wieder aufgenommen und man strickt weiter über den gerade gearbeiteten Kontrastfaden. Achtung: Wenn Sohle und Beinrückseite verschiedene Muster haben, muss ab hier das neue Muster gestrickt werden.

Wenn dann die Socke fast fertig und nur die Ferse übrig geblieben ist, müssen die Maschen über und unter dem Kontrastfaden aufgenommen werden. Das kann man mit den Nadeln eines Nadelspiels machen, oder wie hier im Beispiel mit einer Rundstricknadel gleicher Stärke. Wenn auf einer Seite des Kontrastfadens alle Maschen aufgenommen sind, kann man sie auf das Seil der Rundstricknadel schieben, wodurch es leichter wird, die Maschen der anderen Seite aufzunehmen. Die Nadel wird immer in die Mitte einer Masche gesteckt und jeweils ein Maschenbein aufgenommen. Jetzt sollte zur Sicherheit noch einmal nachgezählt werden, ob man die richtige Anzahl Maschen auf den Nadeln hat, bevor der Kontrastfaden entfernt wird.

Der Kontrastfaden wird an einer beliebigen Stelle getrennt – Vorsicht: bitte nichts anders durchschneiden! – und kann dann mit einer Stricknadel Stück für Stück entfernt werden.

Jetzt kann mit dem Stricken der Ferse begonnen werden, jedoch gibt es noch ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Auf dem nächsten Bild kann man erkennen, dass die Maschen auf der unteren Nadel ganz normal aussehen. Das liegt daran, dass es sich hierbei um die Reihe unter dem Kontrastfaden gehandelt hat (in Strickrichtung gesehen) und die Maschenköpfe aufgenommen wurden. Diese Maschen können herkömmlich gestrickt werden. Auf die andere Nadel wurde jeweils ein Maschenbein aufgenommen, hier handelt es sich ja um die Reihe, die vorher über dem Kontrastfaden saß. Diese Maschen müssen verschränkt gestrickt werden. Beim Stricken mit mehreren Farben neigen die Maschenbeine sogar dazu, sich beim Farbwechsel über die anderen Maschen zu schieben (im Bild bei den roten Maschen der Fall). Deshalb sollte man hier genau darauf achten, dass die Maschen in der richtigen Reihenfolge (verschränkt) abgestrickt werden. Übrigens nehme ich immer rechts und links der Ferse je zwei Maschen aus den Seiten auf, damit dort keine Löcher entstehen.

Weil ich lieber mit dem Nadelspiel stricke, wechsele ich die Rundstricknadel gleich in der ersten Runde aus.

Das schwierigste ist geschafft, jetzt wird die Ferse weiter in Runden gestrickt. Man kann gleich mit den Abnahmen beginnen, oder erst etwas später, was mehr Platz schafft und weniger eng am Spann ist.

Durch die verschränkt abgestrickten Maschenbeine wird das Muster auf einer Seite der Ferse um eine halbe Masche versetzt. Es gibt zwar auch eine Methode, dies zu vermeiden, aber die ist aufwendiger und etwas schwieriger. Wenn man die erste Runde der Ferse einfarbig strickt und dann vielleicht noch ein anderes Muster benutzt, was durchaus nicht unüblich ist und die Ferse besonders akzentuiert, fällt der Versatz gar nicht mehr auf.

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9 Antworten zu “Anleitung: Eingestrickte Ferse

  1. Toll erklärt. Dankeschön. Das möchte ich auch. Doch der Schritt zwischen alle-Maschen-auf-dem-Nadelspiel und dem Abketten habe ich nicht begriffen (Abnahmen? Wie wieviele? etc.).

  2. Pingback: Anleitung: eingestrickte Ferse (Teil 2) | Hasret Nakişlari·

  3. Sehr anschauliche Erklärung! Ich stricke gerade mal wieder eine „türkische Socke“ und will mich nun zum ersten Mal an die nachträglich eingestrickte Ferse wagen. Mir sind jedoch noch 2 Sachen unklar, die mich bislang davon abgehalten haben, vielleicht kannst du mir da helfen:

    1. Wenn ich zweifarbige Socken stricke, habe ich ja mehr Maschen auf den Nadeln als bei einfarbigen – bei mir ist der Unterschied ziemlich groß. Wenn ich nun allerdings eine einfarbige Ferse nachträglich einstricken will: Bleibe ich für die ganze Ferse bei meiner hohen Maschenzahl? Oder sollte ich in den ersten beiden Runde vielleicht lieber auf die Zahl reduzieren, die ich beim einfarbigen Stricken hätte? Ich stricke momentan mit 6-fädiger Wolle, da habe ich für Größe 40 19 Maschen auf jeder Nadel (statt 13 beim einfarbigen Stricken). Wird eine einfarbige Ferse mit 19 Ma/Nd zu weit?

    2. Gibt es eine Tabelle, aus der ich herauslesen kann, wie lang der Fuß inkl. für die einzelnen Schuhgrößen ab Kontrastgarn sein sollte? Ich stricke oft für andere Personen und mit verschiedenen Spitzenformen, daher wäre das hilfreich.

    Im Voraus schon einmal danke!

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